Die Rolle des Ehrenamtes im Sport
1 Das Ehrenamt
1.1 Die Geschichte des Ehrenamtes
Der individuelle Beitrag zum allgemeinen Wohl gehörte in der abendländischen Tradition schon immer unverzichtbar zu einem sinnerfüllten Leben. Es war wichtig, sich für das Gemeinwesen zu interessieren und sich für dessen Befindlichkeit zu engagieren. Die Tugend der aktiven Bürgerschaft, sich für das Allgemeinwohl einzu-bringen, war stets sehr stark ausgeprägt.
Das Ideal der Gemeinwohlorientierung wurde jedoch mit der Entwick-lung des Bürgertums immer weiter durch Produktivität und Arbeit abgelöst. Ein Mensch wurde sodann von seiner ökonomischen Tätigkeit her bestimmt.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts entstand nach und nach durch die ehrenamtliche Tätigkeit im sozialen Bereich, die organisierte Sozial-arbeit.
Zum „Wohle des Volksganzen“ wurde dann in der Zeit des National-sozialismus das Ehrenamt zwangsweise eingeführt.
Die Aktion Gemeinsinn e.V. wurde zur Förderung des Ehrenamtes in der BRD nach dem amerikanischen Vorbild „National Advertising Council“ 1957 in Bonn gegründet.
1.2 Grundverständnis des Ehrenamtes
Ein Ehrenamt stellt ein ehrenvolles und freiwilliges öffentliches Amt dar, das von bestimmter Dauer und Regelmäßigkeit und nicht auf entgelt-liches Tun ausgerichtet ist. Dabei geht es darum, Verantwortung zu übernehmen. Dieses Amt wird meist außerhalb des eigenen Haushaltes ausgeführt und im Rahmen von Vereinigungen, Initiativen und Institutionen geleistet. Oft erhält man aber eine Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Arbeiten.
Eigentlich ist für alle Sportvereine, die den Prinzipien der basisdemo-kratischen Grundordnung und der selbstbestimmten Unabhängigkeit folgen wollen, das Ehrenamt eine unverzichtbare Funktion geworden. Das Ehrenamt ist und bleibt eine dynamische Kraft im Vereinssport und ist Dreh- und Angelpunkt in den Sportvereinen. Die ehrenamtlichen Mitglieder sollen Freude an der Arbeit und nicht Last und Qual empfin-den.
Jedoch kann „das“ Ehrenamt nicht Verallgemeinert werden. Dafür ist die Vielfalt der Ehrenämter und der darauf bezogenen Tätigkeiten zu groß. Eine Verallgemeinerung ist deshalb nur für die Suche nach dem Grund-sätzlichen und zur Vereinfachung zulässig.
1.3 Umfang von Ehrenamtlichkeit in Sportvereinen
In 90 000 deutschen Sportvereinen leisten ca. 7,5 Mio. freiwillige Mitarbeiter jährlich über 500 Mio. Stunden für rund 27 Mio. Mitlieder ehrenamtlich Arbeit. Davon sind 1,2 Mio. auf Vorstandsebene tätig, 1,6 Mio. haben eine Funktionen wie Schiedsrichter oder Übungsleiter und 4,7 Mio. helfen mit, Veranstaltungen durchzuführen. 8,5 Milliarden Euro beträgt der ehrenamtliche Beitrag zur Volkswirtschaftlichen Wertschät-zung laut dem Sportentwicklungsbericht 2005/2006.
Frauen engagieren sich in der Regel in geringerem Maße als Männer. Mit 38 % liegen die Männer vor den 30 % der Frauen. Männer mit kleinen Kindern bevorzugen überproportional ehrenamtliche Bereiche mit Berufsrelevanz und Prestige. Frauen bringen sich eher in familienbe-zogene und sozial bestimmte Bereiche ein.
Auch die Jugend betätigt sich außerordentlich viel, denn diese ist an engagierter Zukunftsgestaltung sehr wohl interessiert. Die junge Generation ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und dort, wo sie ernst genommen wird, entwickeln junge Leute neue Ideen, gepaart mit Realitätssinn.
Der verbandlich organisierte Sport verdankt seine Unabhängigkeit und seinen hohen gesellschaftspolitischen Rang den ehrenamtlichen Helfern. Das sichert die Zukunft der Sportvereine.
2. Der Sportverein
2.1 Der Sportverein im Allgemeinen
Der Sportverein stellt einen sozialen Zusammenschluss von
sportbegeisterten Menschen jeder Altersgruppe dar. Er stellt ein umfassendes Angebot für sinnvolle Freizeitbeschäftigung (welche in dieser Zeit immer wichtiger für die Menschen wird) und für sportliche Betätigung dar mit dem Ziel der Vermittlung sportlicher Fertigkeiten und der Weitergabe organisatorischer Kenntnisse.
Der moderne Sportverein hat eine Vision, die konkret formuliert und mehr als ein in der Satzung verankerter Zweck ist. Der Verein hat festgelegte Ziele, die gemeinsam erarbeitet, schriftlich festgehalten und innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens zu erreichen sind. Er ist eigenständig und unabhängig von Verbandsvorschriften, wobei er gleichzeitig Systemveränderungen antizipiert, zeitnah reagiert und sein Umfeld beobachtet. Der moderne Sportverein strafft seine Entscheidungsstrukturen, beschleunigt Entscheidungsvorgänge und ist gleichzeitig risikofreudig und wachstumsorientiert. Er legt hohen Wert auf Qualität der Angebote und qualifizierte Mitarbeiter und geht konstruktiv und bewusst mit Macht um. Zudem schafft er Arbeitsplätze und beteiligt sich an der „sozialen Sportwirtschaft“.
2.2 Sportvereine im Wettbewerb
Weil Sportvereine konkret sichtbare und erlebbare Leistungen erbringen, gehören sie zu einem Gemeinwesen. Unabhängig von Breite und Tiefe der Angebote und Anzahl der Mitglieder gilt dies für Breitensport- und Leistungssportvereine.
Da die Menschen in der heutigen Zeit eine Vielzahl von Alternativen haben, sind die Sportvereine keine Monopolisten mehr auf dem Sportanbietergebiet. Sie stehen im direkten Wettbewerb zu kommerziellen Sportanbietern, ebenso wie im indirekten Wettbewerb zu Freizeit- und Kulturanbietern. Aufgrund der so niedrigen Eintrittsbarrieren in den „Sportmarkt“, bleibt dieser Wettbewerb vorhanden.
Um in diesem Wettbewerb zu bestehen muss man sich ihm stellen, d.h. für den Sportverein, das eigene Profil zu schärfen, Prioritäten zu setzen, zielorientiert zu entscheiden, sich mit Zeitthemen auseinander zu setzen, zweckmäßige Strukturen und Abläufe zu schaffen und „verkäuferisch“ aufzutreten. Dabei geht es außerdem darum, wirtschaftlich, systematisch und zweckmäßig zu denken und Wissen und Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen mit einzubeziehen.
2.3 Der Sportverein als Dienstleister
Kann ein Sportverein als Dienstleister gesehen werden? Ist der Sportverein, wie die einen sagen, eine Solidargemeinschaft, oder eher ein Dienstleistungsbetrieb? Im Sinne einer Non-Profit Organisation kann man behaupten, ein Sportverein ist ein „sozialer Dienstleister“, wobei man die im Profisport tätigen Vereine hier nicht mit einbeziehen kann.
Eine Dienstleistung ist ein erlebbares Produkt, das bei Nachfrage produziert und nicht auf Vorrat angelegt werden kann. Der Produzent einer Dienstleistung ist ein Mensch, und keine Maschine, wobei diese jedoch als „Helfer“ dienlich sein kann. Weil eine Dienstleistung vor der Nutzung nicht angefasst, angesehen oder mit Rückgabemöglichkeit ausprobiert werden kann, sind hier Symbole wichtig, die Vertrauen signalisieren.
Die heutige Gesellschaft ist stark geprägt von physischen Produkten, was man vor allem an der Wertschätzung und in der Bezahlung von dienstleistenden Menschen erkennen kann.
Ehrenamtliche erbringen mit ihrer Arbeit Dienstleistungen. Hierbei ist eine dreifache Kompetenz wichtig:
Fach-Kompetenz (sachbezogenes Wissen und Können)
Sozial-Kompetenz (Umgang mit Menschen als Kunden, Kollegen, Mitstreiter und Mitarbeiter)
Methodenkompetenz (Selbstorganisation für effizientes und effektives Arbeiten)
Nach rechtlicher Auffassung schulden Dienstleister eine Bemühung, aber keinen Erfolg.
3 Motive von ehrenamtlichen Mitarbeitern
3.1 Persönliche Motive
Die meisten Ehrenamtlichen leisten ihre Arbeit aufgrund von wertvollen und wichtigen Erfahrungen, die sie sammeln wollen und weil ehrenamtliche Helfer etwas fürs Gemeinwohl tun möchten. Sie wollen Kenntnisse und Erfahrungen erweitern, wobei für ca. 20 % ein möglicher beruflicher Nutzen von Bedeutung ist.
Aber auch Abwechslung und die Stärkung des Egos und des Selbstwertgefühls sind dabei wichtige Faktoren. Zudem entspannt beim „Helfen“ der Körper und schüttet Glückshormone aus, die ein Hochgefühl, genannt „Helper´s High“, auslösen. Helfen reduziert Stress und wirkt wie eine Art Meditation. Das Gefühl für andere da zu sein, richtet die eigene Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb des eigenen Selbst.
Die ehrenamtlichen Helfer haben das Bedürfnis zur Mitgestaltung und den Wunsch nach sozialen Kontakten und sozialer Einbindung. Zudem wollen sie Spaß haben und mit sympathischen Menschen in Kontakt treten.
3.2 Staatliche Förderung
Steuerlich:
Ehrenamtliche können eine Aufwandsentschädigung erhalten, die oft pauschaliert und im Rahmen bestimmter Grenzen steuerfrei ist.
Versicherung:
Vereine und Institutionen versichern häufig die ehrenamtlichen Tätigkeiten gegen Unfall- und Haftpflichtschäden.
Auszeichnungen:
Ehrenamtliches Engagement spielt meist bei Vergabekriterien für Orden und Auszeichnungen eine große Rolle.
4 Probleme bei ehrenamtlicher Tätigkeit und deren Lösungsmöglichkeiten
4.1 Missverständnisse und Konflikte bei dem Zusammenspiel von Ehrenamt mit Hauptamt und bei der Nichterreichung der persönlichen Ziele der ehrenamtlichen Arbeiter
Oft wird vom Hauptamt oder vom Vorstand nicht berücksichtig, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter außerhalb des Vorstands sich freiwillig engagieren. Es werden oftmals viele Aufgaben einfach verteilt, ohne dabei daran zu denken, dass viele der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder auch einer hauptamtlichen, beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. Freizeitaktivitäten ausüben wollen. Damit die Ehrenamtlichen weiterhin ihren Aufgaben im Verein bereitwillig nachkommen wollen, sollten die hauptamtlichen Mitarbeiter und der Vorstand vor allem dafür sorgen, dass die ehrenamtlichen Helfer ihre persönlichen Ziele erreichen. Denn nur durch die Erreichung der gesetzten persönlichen Ziele werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter auch zukünftig ihre Arbeit zur Verfügung stellen und den Sportverein unterstützen.
4.2 Schwierigkeiten im persönlichen oder beruflichen Umfeld des Ehrenamtlichen
Damit der ehrenamtliche Helfer seine freiwilligen Aufgaben gerne ausübt und bei ihm keine Selbstzweifel und Skepsis am ehrenamtlichen Engagement entstehen, sollte seine Familie mit ihm an einem Strang ziehen. Es sind im Großen und Ganzen drei Lebensbereiche in Einklang zu bringen: der Beruf, die Familie und das Ehrenamt. Persönliche Zufriedenheit besteht nur, wenn die Balance zwischen diesen Bereichen stimmt.
Dabei ist es wichtig, sich immer wieder selbstkritisch zu überprüfen. Was ist mir wichtig, was habe ich bisher erreicht, was will ich erreichen, was kann ich einbringen, was denkt mein persönliches Umfeld über mein Engagement, wie würde es mir ohne das Ehrenamt gehen und was bringt mir im Ehrenamt ein gutes Gefühl? Es geht darum, herauszufinden, wo die eigene Schmerzgrenze liegt.
Des Weiteren ist es sehr wichtig, das Umfeld zu klären. Die Identität der Partner, die Art und Anzahl der Anforderungen, die gemeinsamen Ziele und die Organisation der Zusammenarbeit.
Außerdem ist es sehr bedeutsam sich konkrete Ziele zu setzten und nach diesen zu handeln. Zu wissen, was man im Sinne der Aufgabe konkret erreichen will und was das wichtigste ist, bzw. was im Zweifelsfall entfallen kann, ist essentiell.
Es geht darum, Selbstorganisation zu lernen. Der effiziente Umgang mit den eigenen Ressourcen, der Einsatz von zweckmäßigen Arbeitsmethoden und –mitteln, das „Nein-Sagen“ und die Arbeitsteilung sind wichtig, wenn es um die eigene Organisation geht.
Zudem ist es bedeutsam, den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung zu erkennen. Pausen, im Sinne von Abstand nehmen, Abschalten, sich für sich selbst Zeit nehmen und selbst aktiv Sport treiben, sind notwendig, um wieder vollen Einsatz erbringen zu können.
Aus den oben angesprochenen Maßnahmen sollten Bewusstsein und Motivation gewonnen werden, um so eine richtig verstandene, innere Unabhängigkeit zu entwickeln.
5. Zusammenfassung/Bedeutung des Ehrenamtes
Die Rolle des Ehrenamtes im Sportverein kann man als sehr wichtig, ja, fast essentiell, ansehen.
Der Sportverein ist ein freiwilliger Zusammenschluss mit Leuten, die das gleiche Interesse haben. Die Sportart selbst und der Kontakt mit ähnlich orientierten Menschen sind dabei ausschlaggebend. Es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben und zusammen beschlossene Ziele in der Gruppe oder im Team zu erreichen.
Dass jeder etwas dazu beitragen kann, ist schön, besonders für Menschen, die dies gerne und freiwillig tun. Man kann sich selbst einbringen und etwas erreichen, wobei nicht der Druck des „Muss“ dahinter steht bzw. stehen sollte.
Die gemeinsame Freude am Sport und das gemeinsame „Tun“ belohnt hierbei die harte Arbeit, die die Ehrenamtlichen einbringen.
Im Sportverein spielt das Ehrenamt eine herausragende Rolle.
